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Dehnen von Piercings

Das Dehnen von Piercings (auch Stretching) bezeichnet die beabsichtigte Vergrößerung des Stichkanals eines Piercings, um Piercingschmuck mit größerem Durchmesser tragen zu können.
Meist wird diese Praxis beim Lobe-Piercing durchgeführt, grundsätzlich kann jedoch jedes Piercing auf einen gewissen Durchmesser erweitert werden. Beim Prinz Albert wird sogar empfohlen, das Piercing zu weiten, um den Tragekomfort zu erhöhen und ein mögliches Herauswachsen zu verhindern. Knorpelpiercings sind gewöhnlich schwieriger zu dehnen und können dabei Wulstnarben bilden, wenn sie zu schnell gedehnt werden. Problematisch ist auch das Weiten von Oberflächenpiercings, da diese einer starken Spannung ausgesetzt sind. Um den Stichkanal nicht zu verletzen, wird er üblicherweise in kleinen Schritten gedehnt.

Methoden

Zur Vergrößerung eines Piercings gibt es verschiedene Methoden unterschiedlichen Ursprungs und für verschiedene Zwecke. Das einfache Dehnen des Stichkanals erfordert dabei meist etwas Geduld, da das Gewebe zwischen den einzelnen Schritten einige Wochen benötigt, um sich zu lockern und bei weiterer Vergrößerung nicht einzureißen. Der gedehnte Stichkanal bildet sich nach Herausnehmen des Schmucks jedoch nach einiger Zeit wieder um einige Millimeter zurück. Das Einschneiden des Kanals dagegen ist schmerzhafter und kann nur durch einen weiteren chirurgischen Eingriff wieder rückgängig gemacht werden.
Eine weitere Methode der Körpermodifikation, um größeren Schmuck tragen zu können, ist das sogenannte Dermal Punching, wobei kein bereits vorhandener Stichkanal vergrößert, sondern ein entsprechend großes Loch direkt herausgestanzt wird. Meist wird diese Methode in der Ohrmuschel bevorzugt, da sich Knorpelgewebe nur sehr schlecht dehnen lässt. Zudem verläuft der Heilungsprozess in der Regel zügiger, da weniger Druck auf den Schmuck entsteht.

Verwendung eines Dehnungsstiftes:

Dies ist die verbreiteteste Technik um Piercings zu dehnen. Dabei wird ein konisch verlaufender Dehnungsstift (Taper) verwendet, der zuvor mit Gleitgel bestrichen und vorsichtig in den Stichkanal eingeführt wird. Der Schmuck mit größerem Durchmesser wird anschließend am Ende des Dehnungsstiftes angesetzt und hinterhergeschoben. Alternativ kann auch eine kreisförmige Dehnungssichel verwendet werden. Die Dehnungsstifte sind in verschiedenen Größen erhältlich und werden über das größere Ende definiert und haben dort eine Hohlstelle um den einzuführenden Schmuck besser ansetzen zu können. Meist sind sie aus Edelstahl oder Acryl gefertigt. Ihre Länge variiert zwischen 5-10 Millimeter. Bei der privaten Dehnung von Piercings werden oft auch einfache Stricknadeln oder Kugelschreiber verwendet. Hierbei ist besonders auf Hygiene und unverkratzte Materialien zu achten.

Ohne Verwendung von Hilfsmitteln:

Der Schmuck kann auch ohne Verwendung von Hilfsmitteln durch das vorhandene Piercing gedrückt werden, was allerdings oft zu Blutungen, Entzündungen oder Vernarbung führt und das weitere Dehnen erschwert. Auch kann der gesamte Stichkanal bei unvorsichtiger Anwendung herausgestülpt werden. Manche Piercings dehnen sich auch selbstständig durch das einfache Tragen von Schmuck, wodurch größere Durchmesser problemlos eingesetzt werden können. Oft passiert dies an Stellen an denen das Piercing viel in Bewegung ist oder bei regelmäßigem Spielen (wie z. B. beim Zungenpiercing).

Verwendung von Teflon-Band:

Teflon hat die Eigenschaften, dass es sehr glatt und verträglich ist. Hierbei wird der Schmuck herausgenommen und eine dünne Schicht von nicht-klebendem Teflonband um das Piercing gewickelt. Anschließend wird der Schmuck wieder eingesetzt und der Prozess wiederholt sobald sich das Piercing an den größeren Durchmesser angepasst hat. Handelsübliches Teflonband ist ca. 0,1mm dick. Um die empfohlene Dehnungsrate von 1mm je Monat zu erreichen werden alle 6 Tage je eine neue Schicht Teflonband um den Schmuck gewickelt.

Verwendung von Gewichten:

Großer, schwerer Piercingschmuck oder andere schwere Objekte können zum Dehnen verwendet werden. Diese Methode wird nur selten angewandt, da sie sehr unkomfortabel ist und das Piercing zum Wandern bringen kann. Besonders am Ohr führt diese Methode zu einer dauerhaften Verdünnung des Gewebes. Dennoch handelt es sich hierbei um die traditionelle Methode verschiedener Volksstämme wie den Dayak in Borneo, die extreme Formen der Ohrlochvergrößerung praktizieren.

Schneiden:

Bei dieser Methode wird der Stichkanal nicht wie üblich gedehnt, sondern unter Verwendung eines Skalpells aufgeschnitten um den Durchmesser zu erweitern. Häufig wird dieser Eingriff angewandt um das Piercing schnell auf einen größeren Durchmesser zu bringen und besonders große Fleischtunnel oder Earplugs einsetzen zu können. Auch kann die Position eines größeren Piercings damit leicht versetzt werden.

Verwendung von Skalpell und Dehnungsstift:

Auch wird gelegentlich eine besonders schmerzhafte Methode angewandt, bei der das Gewebe erst eingeschnitten und anschließend mit einem Dehnungstift auf einen größeren Durchmesser gedehnt wird.

Schmuck:

Für geweitete Piercings gibt es eine große Auswahl an einsetzbarem Piercingschmuck. Sobald das gedehnte Piercing abgeheilt ist können auch Materialien eingesetzt werden, in denen Schmuck in geringeren Durchmessern nicht erhältlich ist. Neben einfachen Ball Closure Rings und Barbells in größeren Materialstärken, können beispielsweise im Septum-Piercing spezielle Septum Tusks getragen werden.
Im Ohr wird meist ein Plug oder ein durchschaubarer Fleischtunnel getragen. Erhältlich ist der Schmuck in verschiedenen Materialien wie Stein, Holz, Horn, Bernstein oder Glas. Da viele Materialien wie Holz oder Horn besser atmen als dies bei Metall oder Kunststoff der Fall ist kommt es hierbei zu weniger Talgbildung.

Heilung und Pflege:

Die meisten Dehnungsmethoden hinterlassen keine Wunde und ordnungsgemäß durchgeführte Vergrößerungen müssen anschließend nicht verheilen, sondern brauchen lediglich eine „Ruhepause“ bevor sie weiter geweitet werden. Soweit es die Elastizität und Beschaffenheit des Gewebes erlauben können Piercings auf sehr große Durchmesser gebracht werden. Je größer und länger ein Piercing gedehnt wurde, desto geringer verkleinert sich der Durchmesser nach dem Herausnehmen des Schmucks, was jedoch auch individuell vom Alter und Gewebe des Trägers abhängig ist. Schnell gedehnte Kanäle schließen sich in der Regel geringfügiger als langsam gedehnte. Übermäßig oder unsachgemäß gedehnte Piercings können irreperabele Schäden verursachen. Dabei kann es zu Narbenbildung kommen. Vernarbtes Gewebe ist schwieriger zu dehnen.
Besonders bei größeren Durchmessern sollten sowohl das Schmuckstück als auch der Stichkanal regelmäßig gereinigt werden, da es zu erhöhter Talgablagerung und Geruchsbildung kommen kann.

Probleme und Gefahren:

Besonders bei neu gedehnten Piercings ist die Haut oft dünner und durchlässiger für Bakterien wodurch ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Bei gedehntem Zungenpiercing kann der massivere Schmuck Zahnschäden verursachen. Bei einem zu großen Stichkanal kann das Sprechen auf Grund der Luftzirkulation massiv beeinflusst werden. Zu stark gedehntes Bindegewebe und besonders beim Dehnen entstandene Deformationen von Knorpelgewebe sind meist irreperabel.

Quelle: wikipedia.de
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